

CCTV gehört mittlerweile zu fast jeder größeren Logistik- oder Parkfläche. Trotzdem sehen wir in der Praxis immer wieder zwei Extreme: Entweder wird viel Geld in Kameras gesteckt, die später kaum Nutzen bringen – oder man spart so stark, dass die Überwachung im Ernstfall wertlos ist. Der Unterschied liegt selten in der Kamera selbst. Entscheidend sind Standortkonzept,
Systemintegration, Betrieb und klare Ziele. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ein CCTV-Setup für Logistik- und Parkflächen sinnvoll aufgebaut wird, welche Varianten es gibt und welche Fehler man vermeiden sollte.
Park- und Logistikflächen sind sicherheitstechnisch anspruchsvoll, weil:
- große, offene Areale mit vielen „toten Winkeln“
- gemischte Nutzer (Mitarbeiter, Fahrer, Dienstleister, Besucher)
- viel Rangier- und Nachtbetrieb
- hohe Diebstahl- und Vandalismusanfälligkeit bei Trailern, Containern oder Ware
- Sicherheitsauflagen von Versicherern oder Auftraggebern
Merksatz: CCTV ist kein Einzelbaustein – es wirkt nur im Zusammenspiel mit Beleuchtung, Zaun und Zugangskontrolle.
Bevor Kameras positioniert werden, muss klar sein, was CCTV leisten soll. Typische Ziele
sind:
1. Prävention: Sichtbare Kameras senken Vandalismus und unbefugten Zutritt.
2. Detektion / Live-Überwachung: Auffälligkeiten früh erkennen und reagieren können.
3. Dokumentation / Beweissicherung: Bei Haftung, Diebstahl oder Unfall klare Daten liefern.
4. Prozess- und Verkehrsüberwachung (optional): z. B. Monitoring von Ein-/Ausfahrten, Stellplatzbelegung, Rangierbereichen.
Je nach Ziel ändert sich: Kameratyp, Dichte, Auflösung, Speicherdauer und Monitoring-Modell.
Beschreibung:
Kameras zeichnen lokal auf (NVR/DVR), Zugriff vor Ort oder per VPN.
Vorteile:
- robust, unabhängig von Internetqualität
- gute Kostenkontrolle bei Dauerbetrieb
Einsatz:
- dauerhafte Standorte
- Flächen mit stabiler IT-Infrastruktur
Beschreibung:
Kameras streamen in eine Cloud oder Leitstelle, Monitoring zentral.
Vorteile:
- schnelle Reaktionsfähigkeit
- Multi-Site-Programme sehr effizient steuerbar
- weniger Vor-Ort-Personal nötig
Einsatz:
- mehrere Standorte parallel
- zeitkritische Rollouts
- Flächen, wo Vor-Ort-Sicherheit nicht geplant ist
Wichtig: Datenwege müssen DSGVO-konform und technisch stabil sein.
Beschreibung:
Autarke Einheiten mit Mast, Kameras, Strom (Hybrid/Solar) und manchmal Lautsprecher.
Vorteile:
- extrem schnell verfügbar
- ideal für temporäre Parkplätze
- flexibel versetzbar
Einsatz:
- Interimslösungen
- Baustellen- oder Peak-Flächen
- schnelle Sicherheitssteigerung bis zur finalen Lösung
Nachteil: bei Langzeitnutzung oft teurer als ein festes System.
Die beste Kamera nützt nichts, wenn sie falsch steht. Für Logistik- und Parkflächen braucht
man typischerweise:
- Ein-/Ausfahrten (Kennzeichen, Fahrweg, Torbereich)
- Verkehrsknoten / Rangierzonen (Bewegung, Scherkräfte, Unfälle)
- Waren-/Trailer-/Containerbereiche (Diebstahlhotspot)
- Fußwege, Sanitär-/Servicezonen
- Perimeter / Zaunlinien (Zutritt, Übersteigen, Durchbrüche)
Praxis-Tipp: Lieber weniger Kameras, aber so gesetzt, dass sie die kritischen Zonen zuverlässig abdecke, statt viele Kameras ohne klares Raster.
CCTV braucht Licht, sonst entstehen:
- verrauschte Nachtbilder
- unbrauchbare Identifikation
- falsche Auslösungen (Bewegungserkennung)
Standardregel:
Beleuchtung muss für CCTV blendfrei sein und eine gleichmäßige Grundhelligkeit schaffen.
Schattenzonen sind Sicherheitszonen – und genau dort passieren die Vorfälle.
CCTV ist kein „installieren und fertig“. Für sinnvollen Betrieb braucht es:
- definierte Reaktionswege bei Alarm
- klare SLA-Zeiten bei Systemausfall
- regelmäßige Funktionskontrollen
- Wartung von Speichersystemen, Kameras, Masten, Stromversorgung
- klare Zuständigkeiten (wer reagiert wann wie?)
Merksatz: CCTV ohne Betriebskonzept ist nur eine teure Aufzeichnung.
CCTV auf Gewerbeflächen ist zulässig, aber nur unter klaren Bedingungen:
- eindeutiger Zweck (Sicherheit, Prävention, Beweissicherung)
- keine Überwachung von Bereichen ohne berechtigtes Interesse (z. B. öffentliche Wege, Nachbarflächen)
- Hinweisschilder an den Zugängen
- definierte Speicherfristen
- kontrollierter Zugriff auf Aufnahmen
Praxis-Tipp: Datenschutz früh klären, sonst drohen Nachrüstpflichten oder Abschaltungen.
Fehler 1: CCTV ohne klare Ziele
→ teure Technik, die nicht zum Bedarf passt.
Fehler 2: Schattenzonen werden ignoriert
→ Vorfälle passieren genau dort.
Fehler 3: Kein Monitoring / keine Reaktion
→ man sieht den Vorfall erst im Nachhinein.
Fehler 4: Temporäre Systeme zu lange genutzt
→ „Provisorium“ wird teuer und ineffizient.
Fehler 5: Zugriff und Datenschutz nicht geregelt
→ rechtliches Risiko und Betriebsstörungen.
CCTV ist auf Logistik- und Parkflächen ein echter Sicherheitshebel – wenn man es richtig
baut:
- Ziele vorab definieren
- kritische Zonen sauber abdecken
- Beleuchtung und Perimeterschutz integrieren
- Remote-Monitoring für Multi-Site-Flächen nutzen
- Betrieb, Wartung und DSGVO von Anfang an mitdenken
Dann wird aus Kamera „Sicherheit“.