

Ob Mitarbeiterparkplatz, LKW-Ruhefläche oder komplette Trailer-Yards: Parkflächen sind für Logistikstandorte längst kein „Nebenprojekt“ mehr. Sie entscheiden über Standortleistung, Sicherheitsniveau und am Ende auch über die Skalierbarkeit des Betriebs. In der Praxis scheitern Projekte aber oft nicht an der Fläche selbst, sondern an zu knappen Zeitfenstern, einem unterschätzten Unterbau oder an Genehmigungen, die zu spät angestoßen werden. Hier bekommst du einen klaren, praxisnahen Überblick, wie Parkflächen an Logistikstandorten typischerweise entstehen – von der ersten Idee bis zum laufenden Betrieb.
Bevor man über Quadratmeter oder Asphalt spricht, muss das Nutzungsprofil sauber feststehen. Das ist der wichtigste Hebel für Planung, Kosten und Lebensdauer.
Typische Nutzungen:
- PKW-Parkflächen für Mitarbeiter und Besucher
- LKW-Parkflächen (Dauerparker oder Wechselverkehr)
- Rangier- und Ladezonen mit hohen Scherkräften
- Kombinierte Flächen (PKW / LKW / Stapler)
- temporäre bzw. saisonale Parkflächen
Schlüsselparameter:
- Anzahl Stellplätze und Belegungsdichte
- Verkehrsaufkommen pro Tag (Peak vs. Normalbetrieb)
- Lastprofil (PKW, Sprinter, 40-Tonner, Stapler)
- Betriebszeiten (Tagbetrieb vs. 24/7)
- Sicherheits- und Serviceanforderungen (CCTV, Beleuchtung, Winterdienst etc.)
Merksatz: Aus Nutzung wird Last – aus Last wird Tiefbau.
Ohne Bodengutachten keine seriöse Planung Gerade große Flächen werden oft „wie ein Parkplatz“ behandelt. Dabei ist der Baugrund der entscheidende Kostentreiber.Was geprüft werden muss:
- Bodenart, Schichtenfolge, Tragfähigkeit
- Frostempfindlichkeit und Wasserhaushalt
- Grundwasser und Stauwasserzonen
- organische Böden (z. B. Moor, Auffüllung)
- Altlasten- oder Kontaminationshinweise
Typischer Fehler: Man dimensioniert den Aufbau pauschal. Kommt der erste Winter oder Schwerlastverkehr, entstehen Setzungen und Schäden.
Das sollte parallel laufen. Je nach Lage und Nutzung brauchst du:
- Bauantrag oder Anzeigeverfahren
- ggf. Nutzungsänderung
- verkehrsrechtliche Genehmigungen für Zufahrten
- Entwässerungs- und Umweltkonzept
- ggf. Schallschutz-/Lichtgutachten (bei Nachtbetrieb)
Praxis-Tipp: Genehmigungswege laufen schneller, wenn ein belastbares Basiskonzept vorliegt (Aufbau + Entwässerung + Betrieb + Sicherheitskonzept).
Der Kern des Projekts. Für Logistikflächen gilt: Schnell bauen ist möglich – aber nur mit einem tragfähigen, zur
Nutzung passenden Aufbau.
Typischer Schichtenaufbau:
1. Planum herstellen / Boden verbessern oder austauschen
2. Geotextil/Geogitter bei schwachem Untergrund
3. Frostschutzschicht
4. Tragschichten (ungebunden oder HGT bei Schwerlast)
5. Deckschicht: Asphalt oder Schotterlösung (je nach Dauer/Nutzung)
Wichtig bei Logistik:
- LKW-Flächen brauchen deutlich stärkeren Aufbau als PKW-Flächen
- Rangierflächen sind scherkraftkritisch → Deckschicht muss dafür ausgelegt sein
- Ränder und Übergänge müssen konstruktiv verstärkt werden
Ohne Wasserführung keine langlebige Fläche. Wasser ist der größte Feind jeder Verkehrsfläche. Eine Parkfläche ohne saubere Entwässerung wird zur Wartungsfläche.
Dazu gehören:
- definiertes Oberflächengefälle (meist 2–2,5 %)
- Einläufe/Rinnen/Drainage
- Versickerung oder Rückhaltebecken je nach Vorgaben
- ggf. Ölabscheider bei belastetem Oberflächenwasser
Faustregel: Entwässerung spart mehr Lebensdauer als jede Materialoptimierung.
In der Umsetzung bewährt sich ein Baukastenprinzip: Basispaket pro Parkplatz/Fläche + konfigurierbare Zusatzmodule.
Typisches Basispaket:
- Beleuchtung (LED, mobil, mastgebunden, ggf. solar/hybrid)
- CCTV / Fernüberwachung nach Sicherheitsniveau
- Markierung & Verkehrsführung inkl. Beschilderung
- Sanitärlösungen (je nach Betriebsform)
- Zaun und Zugangssysteme
Module je nach Standort:
- Winterdienst / Grünpflege
- Reinigung / Müllmanagement
- Wachdienst / Schließdienst
- Strom-/Generatorlösungen (idealerweise bauseitiger Strom)
Eine Parkfläche ist im Alltag ein Produkt – und muss auch so betrieben werden. Typische Betriebspunkte:
- regelmäßige Sicht- und Funktionskontrollen
- Serviceintervalle für Sanitär, Reinigung, Müll
- klare SLA-Reaktionszeiten bei Ausfällen
- saisonale Vorbereitung (Winter, Starkregen, Laub)Gerade Multi-Site-Programme funktionieren nur mit:
- Standard-SOPs
- Ticket- und Eskalationssystem
- transparentem KPI-Tracking
Bei Logistikflächen sind die Kosten nicht „pro Meter Asphalt“ zu erklären. Haupttreiber sind:
1. Baugrund (Verdichtung, Austausch, Stabilisierung)
2. Lastprofil (PKW vs. LKW samt Rangierverkehr)
3. Regionale Dienstleisterpreise (Winterdienst, Reinigung etc. stark unterschiedlich)
4. Techniklevel (CCTV, Solar, hybride Lösungen)
5. Vorlaufzeit (kurze Fenster erzeugen Expressaufschläge)
Wirtschaftlicher Hebel: Je früher Standort, Umfang und Zeitplan klar sind, desto besser
werden Einkauf und Ausführung.
Ein realistischer Ablauf für neue Flächen:
Woche 0–2: Nutzungsdefinition, Vorplanung, Bodengutachten beauftragen
Woche 2–6: Genehmigungen anstoßen, Tiefbauplanung finalisieren
Woche 6–12: Tiefbau + Entwässerung
Woche 10–14: Asphalt / Oberflächenabschluss
Woche 12–15: Ausstattung (Licht, CCTV, Sanitär, Zaun, Markierung)
Woche 14–16: Abnahme, Inbetriebnahme, Übergang in Run-Betrieb
Beschleunigt geht es, wenn:
- Genehmigung klar ist
- Baugrund unkritisch ist
- Basispakete verfügbar sind
Dann sind Interimsflächen in 2–3 Wochen möglich.
Parkflächen an Logistikstandorten sind infrastrukturell hochrelevant. Wer sie wie ein
normales Parkplatzprojekt behandelt, zahlt später Lehrgeld. Erfolgsfaktoren sind:
- Nutzungsprofil klar definieren
- Baugrund ernst nehmen
- Entwässerung sauber planen
- Basispaket + Module nutzen
- Betrieb von Anfang an mitdenken
- echte Vorlaufzeiten für stabile Preise schaffen
Wenn diese Punkte stehen, bekommst du eine Fläche, die schnell nutzbar ist, sicher funktioniert und viele Jahre hält – ohne Dauerbaustelle im Betrieb.